(M)Ein Leben als Pendler – ein erstes Resümee

Ein halbes Jahr als Pendler habe ich bereits hinter mir. Was vorher völlig unbekannt war, ist bereits zu Gewohnheit geworden.

11039367_940410899325965_2040512468_n (2)Hier ein erstes Resümee:

Es ist sechs um vierzig, ich ziehe die Haustür hinter mir zu und verlasse den wohlig warmen Raum, den man Zuhause nennt, setzte mich ins Auto und fahre zum Bahnhof.
Dort angekommen (6:52) habe ich noch 10 Minuten, um die Ruhe zu genießen, mich mental auf den Tag vorzubereiten und zu checken, ob der Zug auch wirklich pünktlich kommt.
Danach geht es raus. Es ist kalt, meistens regnet es (wie sollte es in Deutschland anders sein) und mir frieren am Bahnsteig die Füße ab. Die Stimmung dort ist noch getrübter als an einem Kater-Morgen. Die meisten hängen noch ihren Träumen nach und wünschen sich wieder zurück unter die warme Bettdecke, andere, wenige, sind schon energiegeladen und gut gelaunt (zum Leidwesen der anderen), sie telefonieren oder quatschen.
Ein Zug fährt ein, der andere ab. Absätze tackern über den Betonboden. Kaffeduft mischt sich mit Abgasen und Zigarettenqual.
Ich wünsche mir in dieser Situation immer nur eins: Hoffentlich ist auf die DB verlass!
Wenn das dann auch mal zutrifft und der Zug endlich einfährt, ist der Tag schon ein wenig gerettet. (7:02)
Gott sei Dank habe ich normalerweise nie Probleme einen Sitzplatz zu ergattern, meist sogar in Fahrtrichtung!

Am Anfang meiner Ausbildungszeit begann dann eine elend lange Zeit des Wartens und Langweilens. Ich habe mir die Fahrtzeit damit vertrieben mit dem Handy zu Spielen oder die Leute zu beobachten, aber so richtig spannend war das nun wirklich nicht…
Irgendwann habe ich angefangen Bücher mit zu nehmen. Also keine Fachliteratur für die Uni oder so etwas, sondern ganz normale Bücher zur Unterhaltung.
Damit bekommt die Zeit, knapp eine halbe Stunde, einen Reiz und auch einen gewissen Sinn.
Ich liebe Bücher, aber ich bin kein Abends-im-Bett-Leser. Und so hatte ich normalerweise nie viele Gelegenheiten mich den geschriebenen Worten hinzugeben, es sei denn es waren Ferien oder ich war krank.
Mit dem Pendeln hat sich das also geändert und ich habe jeden Tag eine ganze Stunde Zeit ein Buch nach dem anderen zu verschlingen.
Das Lesen hat mehrere Vorteile:
– man ist abgelenkt
– die Zeit verfliegt
– man achtet weniger auf Personen, die einen stören
– Verspätungen sind leichter zu verkraften, wenn man mitten in der Geschichte steckt
– es entspannt.
Für mich ist es wichtig in dieser Zeit einfach abzuschalten, ich habe, gezwungener Maßen, Zeit für mich, die ich mir vielleicht Zuhause nicht nehme.

Aber das Pendeln hat natürlich auch extreme Nachteile und Probleme:
Ist viel Verkehr oder eine Baustelle verpasst man den Zug.
Die DB lässt sich ja des Öfteren lustige Sachen einfallen, wie tagelange Streiks oder Zugausfälle ohne Ankündigung und ersichtlichen Grund.
Zeiten sind fest gesetzt: Hat man um 12:15 Vorlesungsende, muss man regelmäßig bis halb zwei auf den nächsten Anschluss warten.

Und dann sind da noch die Mitfahrenden.
Normalerweise bin ich ein sehr toleranter Mensch und es bringt mich auch so schnell nichts aus der Ruhe, aber es gibt immer wieder Leute, die schaffen es mich auf die Palme zu bringen.
Man kann sie in mehrere „Kategorien“ unterteilen:

  1. Der „Atmer“ – es gibt Menschen, die scheinen gar nicht zu wissen, dass Atmen normalerweise keine Geräusche verursacht und sind Spezialisten darin, durch Nase oder Mund eine genauso laute Geräuschkulisse zu erzeugen, wie schlechte Kopfhörer.
  2. Der „Telfonjunkie“ – Menschen, die auch um sieben Uhr in der früh es sich nicht nehmen lassen lautstarke Gespräche am Telefon zu führen, ob über geschäftliches, privates wie die Kinder, die Nachmittagsgestaltung, oder die nächste Geburtstagsparty spielt dabei keinen Rolle.
  3. Der „Frühstücker“ – zugegeben bei Thema Essen bin ich sehr empfindlich. geräuschvolles Essen oder Schmatzen sind für mich ein Grauen! Leider sind gerade morgens viele dieser Spezies unterwegs.
  4. Der „Doppelbeleger“ – Personen, die meinen ihre Oberarme wären derart trainiert, dass sie anderthalb Plätze einnehmen müssen. Ob das der Fall ist oder nicht sei mal dahin gestellt.
  5. Die „Kreischer“ – (meistens) Kinder, die auf dem Weg zur Schule schon so gut gelaunt sind und sich über jeden noch so unlustigen Witz totlachen können, leider oft in unangenehm hohen Frequenzen.

Als Pendler hat man also viel Zeit sich über Mitreisende aufzuregen oder aber sich mit schöneren Dinge, die Zeit zu vertreiben.

Zu Beginn dachte ich es würde mich nerven und wäre sehr anstrengend, aber mittlerweile denke ich gar nicht mehr darüber nach, es gehört halt dazu und mit der Zeit arrangiert man sich.
Für mich überwiegen weder die negativen noch die positiven Aspekte.

Seid ihr auch Pendler? Wie steht ihr dazu?

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12 Gedanken zu “(M)Ein Leben als Pendler – ein erstes Resümee

  1. Alicja schreibt:

    Hier, ich bin auch eine Pendlerin! Muss deswegen auch bereits 4.20 Uhr jeden Tag aufstehen, um morgens pünktlich um 8 Uhr zur ersten Vorlesung anzukommen. Zwei Mal Bus, zwei Mal Bahn, 4 Mal Verspätungsmöglichkeiten. Bahnstreiks, Dank denen ich nicht nach Hause komme. Oder beängstigende Abende an dunklen Bahnhöfen.
    Ich mache das nun seit zwei Jahren und irgendwie gewöhnt man sich wirklich dran. Wenn man dann auch mal dein sitzt, dann ist auch alles okay. Aber es zehrt irgendwann sehr an einem. Während die Kommilitonen nach der Nachmittagsvorlesung schon die Party planen, fahre ich noch 2,5 Stunden heim, bin evtl. Erst 22 Uhr zu Hause, um wieder um 4.20 Uhr aufzustehen.
    Mäh, ich Meckerliese 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Magda schreibt:

    Für mich wäre Pendeln nichts mehr. Mir hat es ja schon gereicht die letzten 4 Jahre immer eine Stunde zur Schule „pendeln“ zu müssen.
    Aber deine Typenanalyse von Bahnfahrern finde ich großartig.
    Liebe Grüße,
    Magda

    Gefällt 1 Person

  3. Septemberkuss schreibt:

    Das hast du total süß zusammengefasst. So sieht ein Pendler-Alltag also aus? Kenne mich da wirklich nicht aus, musste bisher nie pendeln. Worüber ich auch ziemlich glücklich bin.
    Dennoch kenne ich mich mit langen Zugfahrten auch ganz gut aus. Hab da schon so einige hinter mir. Aber das jeden Tag zu erleben? Beneide ich dich definitiv nicht drum.
    Gut das du deine Mittel und Wege gefunden hast, die Bahnfahrten für dich sinnvoll zu nutzen. Ohne ein gutes Buch steige ich zum Beispiel auch nie in einen Zug. Kann deine Begeisterung da also voll nachvollziehen. Damit fällt es auch leichter die „Atmer“ „Telefonjunkies“ ect. zu vergessen.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viele entspannte und „Doppelbeleger-freie“ Zugfahrten.

    ♡ ♡ ♡
    Juliane

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  4. dahi. schreibt:

    gott du sprichst mir so aus der seele! der ‚kreischer‘ hat mich auch immer total gestört. auch die esser. als ich noch zur uni ging bin ich jeden tag 4h unterwegs gelesen. ich habe mich auch gerne mit büchern abgelenkt und mit musik. eine qual war es immer, wenn man keinen sitzplatz ergattern konnte …

    lg
    dahi

    p.s. gewinne einen 100€ shopping gutschein:
    http://www.strangeness-and-charms.com/2015/01/giveaway-win-100-fashion-voucher.html

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  5. Patty schreibt:

    Ich finde es total interessant, dass du über deine Erfahrungen schreibst und finde diesen Post extrem gut. Ich mache es auch oft, dass ich auf längeren fahren mir ein Buch mitnehme und dann mir die Zeit it lesen vertreibe. Da ich in letzter Zeit wirklich öfter lese, habe ich mir endlich einen Kindle gekauft. Ich finde den Kindle viel praktischer als ein Buch und er ist unglaublich kompakt 🙂

    Liebe Grüße 🙂
    http://measlychocolate.blogspot.de

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    • whitecloudlet schreibt:

      Vielen Dank 🙂
      Ja ich hab auch schon einen auf meine Geburtstagswunschliste geschrieben 😀 es ist einfach einfacher…

      Gefällt mir

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